Jedes Objektiv bildet gerade Linien leicht gekrümmt ab. Am Bildrand ist der Effekt am stärksten, bei Weitwinkel deutlicher als bei Tele.
Zwei Formen decken die meisten Fälle ab. Bei der tonnenförmigen Verzeichnung wölbt sich das Bild nach außen, eine gerade Kante biegt sich also vom Zentrum weg. Bei der kissenförmigen zieht es nach innen. Smartphone-Kameras sind Weitwinkel und zeigen deshalb meist die tonnenförmige Variante, weshalb eine Tischkante aus der Nähe fotografiert leicht gebogen aussieht.
Auf einem Urlaubsfoto fällt es niemandem auf. Auf einem Schnittteil landet es direkt im Maß, weil die Bereiche nahe am Bildrand in einem anderen Maßstab abgebildet werden als die Mitte. Eine lange Seitennaht ist genau der Fall, in dem aus einer kleinen Krümmung eine echte Abweichung in Millimetern wird.
Das Teil formatfüllend aufnehmen, die Kamera parallel zur Fläche halten und von direkt oben fotografieren verringern den Effekt, beseitigen ihn aber nicht. Herausrechnen lässt er sich nur mit den optischen Eigenschaften genau dieser Kamera, und die stehen im Kalibrierungsprofil.
Linsenverzerrung und Perspektive sind zwei verschiedene Fehler. Ein Foto über seine Ecken geradezuziehen korrigiert den Winkel, lässt die Krümmung des Objektivs aber unberührt.

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