Ein Grundschnitt ist ein Schnitt ohne Modellmerkmale. Er bildet die Körperform samt der nötigen Bewegungszugabe ab und dient als Basis, aus der Modellschnitte entwickelt werden.
Kein Kragen, keine Taschen, keine Teilungsnähte außer denen, die die Form braucht. Ein Grundschnitt hält das Minimum fest: die Körpermaße, die Zugabe und die Abnäher, die aus einer flachen Fläche eine passende Hülle machen. Er ist bewusst schmucklos, weil alles Interessante später dazukommt.
Entweder wird er nach einer Maßtabelle konstruiert, so arbeitet die Industrie, oder nach den Maßen einer einzelnen Person, so arbeitet die Maßschneiderei. Manche Musterräume halten beides vor: einen Hausgrundschnitt für die Kollektion und einzelne Grundschnitte für Stammkundinnen.
Abnäher werden an andere Stellen gedreht, Teilungsnähte durch das Teil gelegt, Weite kommt dazu oder fällt weg, Details werden angesetzt. Die Passform bleibt dabei bestehen, und genau darum geht es: Sitzt der Grundschnitt einmal, startet jedes darauf gebaute Modell von einer bekannten Größe statt bei null.
Der Grundschnitt ist das Teil, das sich zuerst zu digitalisieren lohnt. Er wird für jedes folgende Modell wiederverwendet, der Aufwand zahlt sich also öfter aus als bei irgendeinem einzelnen Modellschnitt.

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